Das Wichtigste in Kürze
- Vor dem Relaunch braucht es eine Bestandsaufnahme aller URLs, Rankings und Verlinkungen.
- Jede alte URL, die wegfällt, braucht eine passende Weiterleitung auf das neue Ziel.
- Inhalte, die heute Besucher bringen, dürfen nicht stillschweigend gelöscht werden.
- Technische Freigaben wie Indexierung und Sitemap werden vor dem Livegang geprüft.
- Nach dem Launch zählt das Monitoring der ersten Wochen mehr als jedes neue Feature.
Warum verlieren so viele Websites nach dem Relaunch an Sichtbarkeit?
Websites verlieren nach dem Relaunch an Sichtbarkeit, weil Suchmaschinen die neue Seite als Fremde behandeln, wenn Adressen, Inhalte und Struktur sich gleichzeitig ändern, ohne dass der Zusammenhang zur alten Seite hergestellt wird. Das über Jahre aufgebaute Vertrauen hängt an konkreten URLs und Inhalten, nicht am Firmennamen.
Das Problem entsteht selten aus Nachlässigkeit, sondern aus Arbeitsteilung. Design und Entwicklung konzentrieren sich auf die neue Seite, die Redaktion auf neue Texte, und niemand ist dafür verantwortlich, was mit der alten Seite passiert. Genau in dieser Lücke gehen Rankings verloren.
Ein Relaunch ist deshalb immer auch ein Umzug. Wer umzieht, hinterlässt eine Nachsendeadresse, nimmt die wichtigen Dinge mit und informiert Partner über die neue Anschrift. Übertragen auf die Website heißt das: Weiterleitungen, Inhaltsübernahme und saubere technische Signale.
Was muss vor dem Relaunch dokumentiert werden?
Vor dem Relaunch müssen alle bestehenden URLs, ihre Rankings, ihre Besucherzahlen und die eingehenden Verlinkungen dokumentiert werden. Diese Bestandsaufnahme ist die Grundlage für jede weitere Entscheidung.
Praktisch bedeutet das: Ein vollständiger Crawl der alten Website liefert alle Adressen inklusive Bilder, PDFs und Unterseiten, an die sich niemand mehr erinnert. Aus der Google Search Console und dem Analyse-Tool ergibt sich, welche Seiten tatsächlich Besucher und Anfragen bringen. Ein Backlink-Check zeigt, welche Seiten von außen verlinkt werden, denn diese Verweise sind besonders wertvoll und gehen bei einer toten Zieladresse verloren.
Aus dieser Liste entsteht eine Entscheidung pro URL: behalten, zusammenführen, weiterleiten oder bewusst entfernen. Diese Tabelle, oft als Redirect-Mapping bezeichnet, ist das wichtigste Dokument des gesamten Relaunchs.
- Vollständige URL-Liste der bestehenden Website
- Rankings und Klicks pro Seite aus der Search Console
- Besucher, Anfragen und Verkäufe pro Seite aus dem Analyse-Tool
- Eingehende Verlinkungen und ihre Zielseiten
- Bestehende Meta-Titel, Descriptions und strukturierte Daten
- Aktuelle Ladezeiten als Vergleichswert
Welche Fehler passieren bei URLs und Weiterleitungen?
Bei URLs und Weiterleitungen passieren vor allem drei Fehler: Weiterleitungen fehlen ganz, sie führen pauschal auf die Startseite, oder sie bilden Ketten über mehrere Zwischenschritte. Jeder dieser Fehler kostet Sichtbarkeit, auch wenn die neue Seite technisch einwandfrei ist.
Die beste Lösung ist, URLs gar nicht zu ändern, wenn es keinen zwingenden Grund gibt. Wird die Struktur dennoch angepasst, erhält jede alte Adresse eine dauerhafte Weiterleitung auf die inhaltlich passendste neue Seite. Eine alte Leistungsseite gehört auf die neue Leistungsseite, nicht auf die Startseite. Pauschale Weiterleitungen werden von Suchmaschinen weitgehend wie Fehlerseiten behandelt.
Weiterleitungsketten entstehen, wenn ein Relaunch auf dem vorherigen aufbaut und alte Weiterleitungen nicht aktualisiert werden. Sie sollten so aufgelöst werden, dass jede alte Adresse in einem Schritt am Ziel ankommt. Vergessen Sie dabei nicht die Varianten: mit und ohne www, mit und ohne abschließenden Schrägstrich, Groß- und Kleinschreibung.
Warum ist das Löschen von Inhalten so riskant?
Das Löschen von Inhalten ist riskant, weil Seiten, die intern niemand mehr wichtig findet, oft genau die Seiten sind, über die Suchmaschinen Besucher schicken. Ein alter Ratgeberartikel oder eine Detailseite zu einer Nischenleistung kann mehr organische Besucher bringen als die Startseite.
Im Relaunch werden Inhalte gern gestrafft: weniger Seiten, kürzere Texte, mehr Bilder. Das kann richtig sein, wenn Inhalte veraltet oder doppelt sind. Es wird falsch, wenn dabei Seiten verschwinden, die Rankings halten, ohne dass ihre Inhalte an anderer Stelle weiterleben. Prüfen Sie deshalb vor jeder Kürzung, was die Seite heute leistet.
Auch das Umschreiben verdient Aufmerksamkeit. Wird ein Text gekürzt, dessen Ranking auf Detailtiefe beruht, kann die Seite trotz gleicher URL verlieren. Wichtige Inhalte sollten übernommen, aktualisiert und gegebenenfalls besser strukturiert werden, statt neu und kürzer geschrieben zu werden. Wie Inhalte so aufgebaut werden, dass sie dauerhaft gefunden werden, beschreibt unsere Leistung SEO.
- Jede Seite mit Rankings oder Backlinks erhält ein inhaltliches Zuhause auf der neuen Seite
- Zusammengelegte Seiten werden auf die neue Sammelseite weitergeleitet
- Veraltete Inhalte werden aktualisiert, nicht ersatzlos gestrichen
- Überschriftenstruktur und Kernaussagen der starken Seiten bleiben erhalten
Welche technischen Fehler gehen beim Livegang mit?
Beim Livegang gehen vor allem Einstellungen aus der Entwicklungsumgebung mit, die dort richtig waren und auf der Live-Seite schaden: eine Sperre für Suchmaschinen, fehlende Sitemaps, Testinhalte, falsche Canonical-Angaben oder ein vergessener Passwortschutz.
Die Sperre für Suchmaschinen ist der bekannteste Fall. Während der Entwicklung soll die neue Seite nicht indexiert werden, also wird sie per Meta-Angabe oder in der robots.txt ausgeschlossen. Bleibt diese Einstellung beim Livegang bestehen, verschwindet die Website schrittweise aus den Suchergebnissen, obwohl alles andere stimmt.
Ebenso wichtig sind Canonical-Angaben, die auf die Entwicklungsdomain zeigen, Tracking-Codes, die nicht übernommen wurden, strukturierte Daten, die verloren gingen, und Bilder, die ohne Alt-Texte und mit riesigen Dateigrößen eingebunden wurden. Eine Checkliste für den Livegang, die alle diese Punkte abfragt, gehört zu jedem professionellen Relaunch.
Was ist nach dem Relaunch zu tun?
Nach dem Relaunch ist vor allem Monitoring zu tun: Fehlerseiten beobachten, Indexierung prüfen, Rankings mit dem Vorher-Stand vergleichen und auffällige Verluste schnell nachbessern. Die ersten Wochen entscheiden darüber, ob kleine Fehler klein bleiben.
Direkt nach dem Livegang sollte die neue Sitemap eingereicht und der Crawl-Bericht in der Search Console beobachtet werden. Dort tauchen nicht erreichbare Adressen, Weiterleitungsfehler und Indexierungsprobleme auf. Parallel lohnt ein Vergleich der wichtigsten Rankings und der organischen Besucherzahlen mit der dokumentierten Ausgangslage.
Leichte Schwankungen in den ersten Wochen sind normal, weil Suchmaschinen die neue Struktur verarbeiten. Dauerhafte Verluste einzelner Seiten sind dagegen ein Hinweis auf fehlende Weiterleitungen, veränderte Inhalte oder technische Fehler. Je früher diese entdeckt werden, desto einfacher lässt sich der Schaden begrenzen.
- Sitemap einreichen und Indexierung verfolgen
- Fehlerseiten und Weiterleitungsketten wöchentlich prüfen
- Rankings und organische Besucher mit der Ausgangslage vergleichen
- Ladezeiten und Core Web Vitals auf der Live-Seite messen
- Interne Links auf die neuen Adressen aktualisieren
- Externe Partner über geänderte Adressen informieren
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis sich die Rankings nach einem Relaunch stabilisieren?
Das hängt von Umfang der Änderungen und Größe der Website ab. Wenn Weiterleitungen und Inhalte sauber übernommen wurden, pendeln sich die Werte meist nach einigen Wochen ein. Dauerhafte Verluste deuten auf konkrete Fehler hin, die sich finden und beheben lassen.
Sollten wir Design und Inhalte gleichzeitig ändern?
Wenn möglich, trennen Sie die Schritte. Wer Design, Technik, URLs und Texte gleichzeitig ändert, kann im Nachhinein kaum sagen, welche Änderung ein Problem verursacht hat. Ein gestaffelter Relaunch macht die Ursachen nachvollziehbar und das Risiko kleiner.
Reicht es, die alte Domain einfach auf die neue weiterzuleiten?
Nein. Eine Weiterleitung der gesamten Domain auf die neue Startseite verschenkt den Wert einzelner Seiten. Jede alte Adresse sollte auf die inhaltlich passende neue Seite zeigen. Nur so bleiben Rankings und Verlinkungen den richtigen Inhalten zugeordnet.